Multi-Touch bezeichnet die Fähigkeit einer berührungsempfindlichen Oberfläche, zwei oder mehr Kontaktpunkte zur selben Zeit zu erkennen, räumlich zuzuordnen und als gemeinsame Eingabe auszuwerten.
Was ist ein Multi-Touchscreen?
Ein Multi-Touchscreen ist ein Touchscreen, der mehrere gleichzeitige Berührungen unterscheiden kann. Systeme für genau zwei Kontaktpunkte werden häufig als Dual-Touch bezeichnet. Leistungsfähigere Varianten erfassen mehr als zwei Finger und können bei entsprechend großen Oberflächen auch Eingaben mehrerer Personen verarbeiten.
Die Technik bildet eine direkte, interaktive Benutzeroberfläche. Als Natural User Interface reagiert sie auf Bewegungsfolgen, die sich unmittelbar auf dargestellte Objekte beziehen. Das unterscheidet sie von einfachen Touchsystemen, die Berührungen nur als einzelne Auswahlpunkte behandeln.
Typische Mehrfinger-Gesten
Darstellungs- und Eingabeebene liegen üblicherweise direkt übereinander. Anwender sehen deshalb unmittelbar, welches Element sie berühren und wie es auf eine Bewegung reagiert. Besonders bei Grafiken, Karten und Dokumenten entstehen dadurch intuitive Bedienabläufe.
Einsatzbereiche
Multi-Touch ist bei Smartphones, Notebooks, Tablets und interaktiven Bedienfeldern verbreitet. Größere Großbildschirme können zusätzliche Kontaktpunkte erfassen, damit mehrere Personen zugleich an einer Visualisierung, einem Plan oder einer Steueroberfläche arbeiten.
Wie zuverlässig das funktioniert, hängt nicht nur von der Zahl der erkennbaren Kontakte ab. Entscheidend sind auch Abtastrate, räumliche Genauigkeit, Latenz, Handballenerkennung und die Software, die einzelne Punkte zu sinnvollen Gesten zusammenfasst.
Welche Sensortechniken kommen zum Einsatz?
Die Berührungserkennung kann kapazitiv, resistiv, optisch oder über Infrarotverfahren erfolgen. Je nach Bauform wird eine Sensorschicht in die Displayeinheit integriert, ein Raster um die Oberfläche gelegt oder die Position durch Kameras und optische Sensoren bestimmt.
| Verfahren | Grundprinzip | Typische Eigenschaft |
|---|---|---|
| Kapazitiv | Berührungen verändern ein elektrisches Feld an der Oberfläche. | Hohe Präzision und gute Eignung für Mehrfinger-Gesten. |
| Infrarot | Ein Lichtgitter vor dem Bildschirm wird durch Finger unterbrochen. | Auch für große Anzeigen geeignet; keine Sensorschicht auf dem Bild nötig. |
| Optisch | Kameras oder bildgebende Sensoren bestimmen Kontaktpositionen. | Skalierbar für größere interaktive Flächen. |
| Resistiv | Druck bringt leitfähige Schichten miteinander in Kontakt. | Mit Finger oder Stift bedienbar; Multi-Touch hängt von der Ausführung ab. |
Kapazitive Erkennung
Zu den kapazitiven Ansätzen gehören Projected Capacitive Touch, die Surface Capacitive Technology und Mutual Capacitance. Ein Sensornetz erfasst dabei lokale Veränderungen und berechnet daraus die einzelnen Positionen.
Optische und lichtbasierte Verfahren
Optische Systeme nutzen unter anderem Optical Imaging. Für größere Flächen wurden außerdem Verfahren wie Frustrated Total Internal Reflection (FTIR), Diffused Illumination (DI), Diffused Surface Illumination (DSI), Planar Scatter Detection (PSD) und Integrated Through Screen Optics (ITSO) eingesetzt.
Bei reflexionsbasierten Lösungen beeinflusst eine Berührung die Lichtführung an der Oberfläche. Optische Komponenten erfassen die austretenden oder gestreuten Lichtanteile und bestimmen daraus die Position. Physikalisch spielt dabei unter anderem der Brechungsindex der beteiligten Medien eine Rolle.
Abgrenzung zu einfachem Touch
Ein einfacher Touchscreen meldet im Wesentlichen einen einzelnen Kontakt. Multi-Touch überträgt dagegen mehrere Koordinaten samt zeitlichem Verlauf. Erst die Auswertesoftware erkennt daraus, ob Kontakte unabhängig voneinander sind oder gemeinsam eine Geste bilden. Mehr erkannte Punkte bedeuten daher nicht automatisch eine bessere Bedienung: Oberfläche, Gestenmodell und Anwendung müssen aufeinander abgestimmt sein.