Netzwerk- und Systemtechnik

Latenz

Latenz bezeichnet die Verzögerung zwischen einem Ereignis oder Befehl und dem Beginn der dazugehörigen Reaktion. Sie tritt in Rechnern, Netzwerken, Speichern, optischen Systemen und der Audiotechnik auf.

Englisch: latencyEthernetHauptspeicher
Netzwerkleitungen in einem Rechenzentrum zur Erklärung der Latenz bei IT Wissen

Der Begriff Latenz wird häufig gleichbedeutend mit Verzögerungszeit verwendet. Allgemein beschreibt er das Zeitintervall zwischen einem auslösenden Ereignis und der sichtbaren oder messbaren Reaktion eines Systems.

KurzdefinitionLatenz ist eine Zeitspanne. Je nach technischem Zusammenhang umfasst sie Laufzeiten, Verarbeitungsschritte, Warteschlangen oder den Zugriff auf Daten. Eine geringe Latenz bedeutet eine schnelle Reaktion, ist aber nicht dasselbe wie eine hohe Datenrate.

Wo Latenz entsteht

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Rechenzeit

Computational Latency bezeichnet die Zeit, die ein Knoten oder Computer zum Bearbeiten einer Aufgabe benötigt. Sie hängt unter anderem von der Zentraleinheit, den Ein- und Ausgabeschritten, der Software sowie der verfügbaren Rechenleistung ab.

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Kommunikationsnetze und Ethernet

In Kommunikationsnetzen setzt sich die Netzwerklatenz aus mehreren Anteilen zusammen. In Ethernet-Netzen zählen dazu die Signallaufzeit im Übertragungsmedium und die Verarbeitung in einem Ethernet-Switch. Gemessen werden kann beispielsweise die Zeit vom Empfang eines Bits an einem Port bis zu seinem Verlassen des Zielports. Das Ergebnis hängt auch vom Schaltverfahren ab, etwa Cut-Through oder Store-and-Forward.

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Mobilfunk

Bei Mobilfunknetzen wurde die typische Verzögerung über die Netzgenerationen deutlich reduziert. Anwendungen reagieren unter LTE und 5G im Allgemeinen schneller als unter 2G oder UMTS. Die tatsächlich erreichbare Latenz variiert jedoch mit Funkbedingungen, Auslastung, Netzarchitektur, Entfernung zum Dienst und Anwendung. Ultra Reliable Low Latency Communication ist für besonders zeitkritische und zuverlässige Kommunikation vorgesehen.

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Optische Übertragung

In optischen Systemen entsteht Latenz durch die Ausbreitung des Lichts sowie durch Medien- und Verfahrensübergänge. Die Laufzeit hängt von Strecke und Ausbreitungsgeschwindigkeit ab. In Lichtwellenleitern ist Licht langsamer als im Vakuum; als Größenordnung werden rund fünf Mikrosekunden pro Kilometer für die einfache Strecke angesetzt. Auch O/E-Wandler und E/O-Wandler fügen Verarbeitungszeit hinzu.

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Internetworking

Beim Internetworking benötigen Router, Switches und Gateways Zeit zum Prüfen, Puffern und Weiterleiten von Datenpaketen. Dazu gehören die Auswahl einer Route und die Verarbeitung des Headers, beispielsweise die Aktualisierung des Time-to-Live-Feldes je Hop.

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Ringsysteme

In Ringsystemen kann Latenz die Zeit bezeichnen, die ein Datenpaket für einen vollständigen Umlauf in einem unbelasteten Token Ring benötigt. Sie wächst unter anderem mit der Zahl und Verarbeitung der angeschlossenen Stationen.

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Arbeitsspeicher

Bei Speicherbausteinen beschreibt die Speicherlatenz die Verzögerung vom Eintreffen eines Befehls und einer Adresse bis zur Bereitstellung der Daten. Bei DRAM werden unter anderem CAS- und RAS-bezogene Timings unterschieden. Die angegebenen Taktzyklen müssen zusammen mit der tatsächlichen Taktperiode bewertet werden; eine kleinere Kennzahl allein erlaubt nicht in jedem Fall einen vollständigen Leistungsvergleich. RLDRAM ist auf geringe Zugriffslatenz ausgerichtet.

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Festplatten

Bei einer rotierenden Festplatte ist die Rotational Latency die Wartezeit, bis der gewünschte Sektor den Schreib-Lese-Kopf erreicht. Als mittlerer Wert wird eine halbe Umdrehung angesetzt. Eine höhere Drehzahl verkürzt diesen Anteil der Zugriffszeit.

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Audiotechnik

In der Audiotechnik entsteht Latenz unter anderem durch Pufferung, Wandlung und digitale Signalverarbeitung. Relevant ist etwa die Verzögerung zwischen Ein- und Ausgang einer Soundkarte. Beim Monitoring und gemeinsamen Musizieren können bereits kurze Verzögerungen stören. Bei Audio over Ethernet müssen zusätzlich Transport, Netzlast und das verwendete Zugangsverfahren berücksichtigt werden.

Latenz richtig beurteilen

Latenz und Datenrate

Eine Verbindung kann viele Daten pro Sekunde übertragen und trotzdem verzögert reagieren. Beide Größen beschreiben unterschiedliche Eigenschaften.

Einfache Strecke oder Hin und zurück

Messwerte können eine One-Way-Laufzeit oder die Round-Trip Time angeben. Ohne Messmethode sind Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar.

Schwankungen

Neben dem Mittelwert ist die Veränderung der Verzögerung relevant. Diese Schwankung wird häufig als Jitter bezeichnet.

Gesamtkette

Endgeräte, Zugangsnetz, Vermittlung, Server und Software tragen gemeinsam zur wahrgenommenen Reaktionszeit bei.

Häufige Fragen zur Latenz

Wichtige Abgrenzungen für Netzwerk, Speicher und Echtzeitanwendungen.

Was bedeutet eine geringe Latenz?

Eine geringe Latenz bedeutet, dass zwischen Auslöser und Reaktion nur wenig Zeit vergeht. Welche Verzögerung als gering gilt, hängt von der Anwendung ab.

Ist Latenz dasselbe wie Bandbreite?

Nein. Bandbreite beziehungsweise Datenrate beschreibt die übertragbare Datenmenge pro Zeit. Latenz beschreibt die Verzögerung. Eine Verbindung kann eine hohe Datenrate und zugleich eine vergleichsweise hohe Latenz haben.

Wie wird Netzwerklatenz gemessen?

Häufig wird die Round-Trip Time gemessen, also die Zeit für Hin- und Rückweg eines Signals. Für genaue Vergleiche müssen Messpunkt, Protokoll, Paketgröße und Netzlast bekannt sein.

Was verursacht schwankende Latenz?

Typische Ursachen sind wechselnde Auslastung, Warteschlangen, Funkbedingungen, Routenänderungen und Verarbeitung im Endgerät oder Server. Die Schwankung wird oft als Jitter bezeichnet.

Warum ist Latenz bei Audio wichtig?

Beim Aufnehmen und Abhören kann eine Verzögerung die zeitliche Abstimmung erschweren. Die Gesamtlatenz umfasst Wandlung, Puffer, Signalverarbeitung und gegebenenfalls das Netzwerk.

Wie kann Latenz reduziert werden?

Mögliche Maßnahmen sind kürzere Übertragungswege, weniger Verarbeitungsschritte, geeignete Puffer, schnellere Komponenten und eine Architektur, die zeitkritische Aufgaben nahe am Entstehungsort verarbeitet.