Das 60-GHz-Band bezeichnet einen Frequenzbereich um 60 GHz. Je nach Region und Regelwerk werden dafür unterschiedliche Teilbereiche ausgewiesen. Wegen der großen verfügbaren Bandbreite eignet sich das Spektrum für Gigabit-WLANs, kurze Richtfunkstrecken und weitere breitbandige Funktechniken.
Regulierung und Frequenzaufteilung
Ein Teil des Bandes kann unter den jeweils geltenden Bedingungen lizenzfrei genutzt werden. Die konkreten Grenzwerte für Sendeleistung, Antennengewinn, Kanalbelegung und Einsatzart hängen von Land, Gerätekategorie und Verbindungstyp ab. Anwender müssen deshalb die aktuelle nationale Frequenzregulierung berücksichtigen.
In europäischen Zuteilungen wird der Bereich unter anderem in Abschnitte von 57 bis 62 GHz, 62 bis 64 GHz und 64 bis 66 GHz gegliedert. Neben Festfunkanwendungen können einzelne Teilbereiche auch wissenschaftlichen Diensten wie Erderkundung und Radioastronomie zugeordnet oder mit ihnen koordiniert sein. Der Frequenznutzungsplan beschreibt die nationale Verwendung näher.
Ausbreitung und Reichweite
Bei 60 GHz ist die Freiraumdämpfung deutlich höher als in tieferen WLAN-Frequenzbereichen. Hinzu kommt eine erhöhte atmosphärische Dämpfung in der Nähe der Sauerstoffabsorptionslinie. Das begrenzt die Reichweite, kann aber zugleich die räumliche Wiederverwendung von Frequenzen erleichtern.
Die rund fünf Millimeter lange Wellenlänge führt dazu, dass Wände, Menschen, Vegetation und andere Hindernisse eine Verbindung stark abschwächen oder unterbrechen können. Leistungsfähige Strecken arbeiten daher häufig mit gerichteten Antennen, Beamforming und möglichst freier Sichtverbindung. Reflexionen können Verbindungen ohne direkte Sicht teilweise ermöglichen, sind jedoch von Raum und Material abhängig.
Auch Mehrwegeausbreitung beeinflusst die Empfangsqualität. Moderne Systeme begegnen ihr mit Kanalcodierung, Entzerrung, Antennensteuerung und angepassten Modulationsverfahren. Außenstrecken müssen zusätzlich Niederschlag, Montagebedingungen und mögliche Hindernisse im Funkpfad berücksichtigen.
Standards und Anwendungen
Gigabit-WLAN nach IEEE 802.11ad und 802.11ay
Die Standards IEEE 802.11ad und IEEE 802.11ay nutzen breite Kanäle im 60-GHz-Bereich für hohe Datenraten. Typische Szenarien sind kurze Verbindungen zwischen Geräten, drahtlose Docking-Anwendungen und lokale Datenübertragung.
Drahtlose Bild- und Tonsignale
Techniken wie WirelessHD, Wireless HDMI und Wireless DisplayPort wurden für die Übertragung breitbandiger Multimedia-Signale über kurze Entfernungen entwickelt. Die geringe Reichweite passt besonders zu Verbindungen innerhalb eines Raumes.
Fester Funkzugang und Richtfunk
Das Band kann für kurze Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, Richtfunk und breitbandigen drahtlosen Anschluss eingesetzt werden. Stark bündelnde Antennen helfen, die hohe Ausbreitungsdämpfung auszugleichen.
Peripherie und lokale Massendaten
Hohe Übertragungsraten ermöglichen das schnelle Anbinden von Peripheriegeräten und den Austausch großer Datenmengen. Hindernisse im unmittelbaren Funkweg bleiben dabei eine zentrale Planungsgröße.
Einordnung für die Planung
Das 60-GHz-Band ist kein unmittelbarer Ersatz für Funknetze mit großer Flächenabdeckung. Seine Stärke liegt in hohen Datenraten, gerichteten Verbindungen und überschaubaren Funkzellen. Für stabile Systeme sind Link-Budget, Antennenausrichtung, mögliche Abschattung und die regulatorischen Rahmenbedingungen gemeinsam zu bewerten.